Der Weg geht zum Herzen hin.

Vertrauen in die Mitmenschen

Unser Leben ist erfüllt von zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei ist gegenseitiges Vertrauen unabdingbar. Ohne dieses ist Erfolg, zwischenmenschliche Nähe, Liebe und Verbundenheit kaum erreichbar. Doch was bedeutet es, einem Menschen zu vertrauen; und wie können wir diese Qualität in unsere Beziehungen einbringen? Ich möchte dazu zwei Aspekte herausheben:

1. Vertrauen im Sinne von leben lassen

Vertrauen in die Mitmenschen zu haben, bedeutet, an ihre Mitschöpferkraft zu glauben. Wir sollten ihnen die Freiheit lassen, ihren Weg in ihrer Geschwindigkeit und auf ihre Weise zu gehen, wie sie können und es für richtig erachten, solange sie dabei niemandem Schaden zufügen. Jeder Mensch möchte sich von innen heraus entfalten, wachsen und heilen, und das basiert auf Freiheit und Selbstgestaltungsrecht. Es ist weise, wenn wir andere Menschen darin leben lassen und ihnen gleichzeitig unterstützend zur Seite stehen. Das kann bedeuten, dass wir unsere Hilfe anbieten, sie inspirieren oder unsere Ansichten mitteilen, insbesondere wenn wir beobachten, dass der eingeschlagene Weg des Menschen in eine Sackgasse führt. An die Kraft und Liebe eines Menschen zu glauben, bedeutet somit, sich nicht über ihn zu stellen durch Mitleid, Bewertung, einseitige Erwartungshaltung oder ungefragtes Erteilen von Ratschlägen. All dies verändert ihn ohnehin nicht. Vertrauen in die Menschen zu haben, bedeutet vielmehr, sie freilassend zu stärken, so wie sie es anzunehmen bereit sind. Die innere Haltung könnte lauten: »Ich vertraue deiner Kompetenz und Kraft. Ich glaube an dich und weiß, dass du deine Entscheidungen so treffen wirst, wie sie für dich richtig und gut sind. Liebe Engel, bitte unterstützt diesen Menschen dabei. Bitte segnet seinen Weg und zeigt mir, was ich für ihn tun kann.«

2. Vertrauen im Sinne von einlassen und zulassen

Das Vertrauen in ein Gegenüber beinhaltet, dass wir uns auf zwischenmenschliche Nähe einlassen und ein auf Liebe basiertes Miteinander zulassen können. Dafür ist Selbstvertrauen nötig. Damit wir uns im Miteinander fallen lassen können, ohne uns gleichzeitig zu verlieren, benötigen wir Selbstgewahrsein und Differenzierungsvermögen. Wir möchten nicht, dass das Ich zum Wir oder Du wird. Für gesunde Beziehungen und Nähe benötigen wir eine eigenständige Persönlichkeit, innere Reife, Selbstliebe und das Führen einer erwachsenen, gewaltfreien Kommunikation. Wer sich selbst Halt geben kann und seine Werte und Bedürfnisse kennt, kann in Offenheit und Vertrauen auf die Mitmenschen zugehen. Nur so können wir Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Interessen ausdiskutieren und ein Miteinander finden oder uns in Würde und Dankbarkeit verabschieden.

Echtes Vertrauen kommt von Herzen. Es ist etwas, das man schenkt und nicht einfordert, erwartet oder sich verdienen muss. Es ist die Grundlage, damit die Liebe zwischen Menschen fließen und wachsen kann. Gesundes Vertrauen in Beziehungen wird niemals blind und naiv sein, sondern bewusst und mit einer Prise Achtsamkeit. Jana Haas bezeichnet es als das »sehende Vertrauen«. Beim blinden Vertrauen geben wir Eigenverantwortung und Mitverantwortung an der Beziehung ab – und das schwächt die Partnerschaft. Das gesunde Hinterfragen und wache Abwägen mit der eigenen Intuition und Wahrnehmung stärkt hingegen Beziehungen. Es festigt sie, weil es den Dingen auf den Grund geht und das Unbeachtete oder Ausgeblendete ans Licht bringt. So ermöglicht Vertrauen in Verbindung mit Achtsamkeit allen Beteiligten neue Selbsterkenntnisse und ein gesundes Entwicklungspotenzial. Auf diese Weise schaffen wir uns ein starkes Umfeld und sind gleichzeitig ein Leuchtturm.

(Quelle: Simone Balmer, Entscheide dich für die Liebe, Aquamarin Verlag 2021)