Kein Gedanke hält an uns fest, wir halten uns an ihm fest.
Oft halten wir an alten, ungesunden Gedanken fest, obwohl sie uns daran hindern, in eine erfüllende Zukunft zu schreiten. Diese geben uns in irgendeiner Form etwas, denn sonst würden wir sie unterlassen. So können wir uns beispielsweise in unserem Perfektionismus selbst Schaden zufügen. Doch solange uns dieses Verhalten Kontrolle und Sicherheit gibt, werden wir es kaum loslassen wollen. Der Kampf mit diesem Zwangsverhalten wird erst aufhören, wenn wir lernen, auf gesündere Weise Sicherheit zu finden. Der Perfektionismus wird dann von uns abfallen, weil er für uns nicht mehr von Nutzen ist. Wir werden dadurch den alten Verhaltenszügen weder Aufmerksamkeit noch Energie mehr schenken.
So kann ein irritiertes Selbstwertgefühl offensichtlich unangenehm sein, doch es loszulassen und in ein gesundes Selbstbild hineinzu- schreiten, gelingt oftmals nicht auf Anhieb. Wir können uns dann fragen: Halten wir uns möglicherweise daran fest, weil wir uns dadurch nicht entwickeln müssen? Somit ist es die Angst vor dem Neuen und der eigenen Größe, die uns klein hält. Auch da halten wir uns an der Angst fest, nicht sie an uns. Oder bekommen wir durch unser Benehmen Aufmerksamkeit? Benötigen wir beispielsweise eine Krankheit, um uns ohne schlechtes Gewissen auszuruhen? Solange uns gewisse Verhaltensweisen oder gesundheitliche Beschwerden von Nutzen sind, werden wir sie behalten. Freiheit bedingt die innere Reife, sich auf die Selbstliebe zu besinnen.
Manche Verhaltensmuster sind gesund, andere wiederum hindern uns vor dem Leben. Das Beispiel mit dem Perfektionismus zeigt, dass so mancher Gedanke zwar zu einer lästigen, aber auch gemütlichen Gewohnheit werden kann. Wir sollten daher stets auf nüchterne Weise hinterfragen, ob uns etwas guttut oder eher schadet. Innere Beweglichkeit kann geübt werden, indem wir immer wieder gewohnte Räume verlassen und Neues ausprobieren. Daraus kann das Vertrauen, sich auf unbekanntes Terrain einzulassen, wachsen. Dies senkt Schwellenängste und hilft, die inneren Saboteure zu überwinden.
(Quelle: Simone Balmer, Die Magie des Glücks, Aquamarin Verlag 2018)

