Fünf Lebensfragen
Fünf wichtige Lebensfragen helfen bei der inneren Klärung, beim Erkennen und Verstehen, um sich Schritt für Schritt seines wahren Wesens bewusst zu werden und um sich aus den Mustern des Unterbewusstseins ins überbewusste Sein zu entwickeln. Sie unterstützen uns auch, um in entscheidenden Lebensphasen und bei alltäglichen Aufgaben innere Orientierung und Weisheit zu finden. Einige dieser Lebensfragen haben Sie bereits im Kapitel „Was tun, wenn wir unglücklich sind“ kennengelernt.
Die fünf Lebensfragen lauten:
- Woran glaube ich?
- Wie will ich sein/leben?
- Kann ich mich selbst lieben?
- Ist mein Verhalten heilsam?
- Was lehne ich in mir ab?
1. Woran glaube ich?
Hier ist nicht nur die Frage nach unserem religiösen Glauben gestellt, sondern vielmehr die Frage, welche Glaubensmuster wir leben. Glauben wir daran, dass das Leben leicht oder schwer ist? Glauben wir, dass wir liebenswert sind? Glauben wir daran, dass uns das Gute im Leben begegnet und wir glücklich und gesund sein können; oder glauben wir, dass wir in Krankheit und Schwere unser Leben meistern müssen? Glauben wir an einen strafenden Gott oder an einen Gott der Liebe?
Unsere Glaubenssätze sind stark geprägt und maßgeblich entstanden durch Erfahrungen in der pränatalen Lebensphase und in unserer Kindheit; Glaubenssätze, die von unseren Eltern vorgelebt worden sind oder die wir uns durch Erfahrungen angeeignet haben. Wir kannten ja nichts anderes und schauten so manches von unseren Eltern aus Liebe und aus Vertrauen zu ihnen ab. Wir lernten, wie wir uns zu verhalten haben, um Liebe und Anerkennung bei ihnen zu finden und Ablehnung und daraus entstehenden seelischen Schmerz zu vermeiden. Daraus entstanden vielschichtige und tief programmierte Denk- und Verhaltensmuster, die sich durch Wiederholung und sich bestätigende Lebenserfahrungen noch weiter als scheinbare Lebenswahrheit in unserem Bewusstsein festigten. Erst später im Leben, durch aufrüttelnde, berührende Erfahrungen und inneres Erwachen erkennen wir, was wir nicht glauben und sein wollen, und beginnen, unser Weltbild zu verändern.
Die Frage „Woran glaube ich?“ hat also mit unseren Gedankenmustern zu tun, die wir jedoch so tief in uns verwurzelt haben, dass wir sie fühlen und für wahrhaftig halten. Ihre Wurzeln stecken im Unterbewusstsein, und es ist nicht immer einfach, ihnen auf die Schliche zu kommen. Wir erkennen sie durch das wachsame Beobachten unserer Gedanken und Gefühle. Die ehrliche und oft dauerhafte Gedankenhygiene ist ein erster Schritt zur Entfaltung seiner eigenen wahren Identität.
Ich habe mich in meinem Leben bei der Ablösung vom Glaubensgut meiner Mutter intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt. Heute stelle ich sie mir immer wieder, wenn ich Schwere oder Negativität in meinen Gedanken erkenne oder mich entsprechend fühle. So habe ich mir, bevor ich mit dem Schreiben dieses Buches begann, stets eingeredet, dass Schreiben mühsam und anstrengend sei. Als ich diesen Glaubenssatz erkannte, setzte ich mich hin, ging in meine drei Herzensregeln und sprach im Herzen: „Schreiben ist leicht und macht Spaß. Liebe, lichtvolle geistige Welt bitte segnet das Buch und unterstützt mich mit eurem Licht und eurer Kraft dabei.“ Dann stellte ich es mir vor, wie es so sein würde, und wartete hartnäckig, bis sich ein entsprechendes Gefühl und Bewusstsein einstellte. Anschließend setzte ich mich hin und begann zu schreiben, achtete auf meine Gedanken und schenkte der negativen Haltung in mir keine Beachtung. Ich überforderte mich auch nicht, und immer, wenn ich müde wurde, legte ich eine Pause ein. Nach und nach erlebte ich, dass Schreiben wirklich Spass macht und leicht sein kann. Durch die innere Achtsamkeit, den Willen, etwas zu verändern, und durch die neuen Erfahrungen lernte ich, andere Gedankenmuster zu verinnerlichen.
Manchmal kommen Menschen zu mir, die mich dann am Ende einer Sitzung fragen: „Glauben Sie, dass ich es schaffe?“ Ich sage dann: „Ja, selbstverständlich. Aber Sie müssen beginnen, an sich selbst zu glauben.“ Diese Frage zeigt mir immer, dass dieser Mensch das eigene Potenzial und Licht noch nicht vollständig angenommen hat. Erst wenn mir jemand diese Frage nicht mehr stellt und stattdessen „weiß“, dass er es schafft, hat er seine Kraft für die Wandlung und Heilung angenommen.
Die lichtvolle geistige Welt fordert uns auf, bedingungslos und in tiefer Selbstannahme an uns zu glauben; denn wie sollen uns die Engel helfen, wenn wir nicht selbst an uns glauben? Wenn wir nicht an die Liebe, an das Licht und Wunder in uns glauben, wie sollen wir diese dann von außen annehmen können? Der freie Wille ist unser größtes und unantastbares Erbe Gottes. Nicht umsonst heißt es: „Dein Glaube hat dich geheilt.“
2. Wie will ich sein/leben?
Durch die Ordnung in unseren Glaubensmustern und den Glauben an uns selbst begegnet uns die zweite wichtige Lebensfrage: „Wie will ich sein und wie will ich leben?“
Möchte ich glücklich sein? Möchte ich mein Leben in Leichtigkeit gestalten? Möchte ich aus der Liebe und aus dem Vertrauen meinem inneren Ruf folgen? Möchte ich unabhängig von anderen Menschen mein Glück in mir erleben?
Es geht darum zu erkennen, was wir leben und wie wir leben möchten. Diese Frage ist eng mit der Frage „Woran glaube ich?“ verbunden und folgt daraus. Wenn wir frei werden im Denken, können wir auch frei werden im Sein.
Als wir vor einigen Jahren die Beerdigung meines Vaters vorbereiteten, hatte ich mir zuerst Klarheit darüber verschafft, was ich erwartete. Erwartete ich, dass meine Mutter und ich uns kaum in die Augen sehen könnten und es schwierige Situationen geben würde? Oder glaubte ich, dass alles friedlich verlaufen und wir uns die Hand reichen könnten? Erst als ich meine negative Erwartungshaltung gegenüber dem bevorstehenden Begräbnis erkannt und gewandelt hatte, fragte ich mich, wie ich denn sein wollte. Wollte ich mutig meine Rede halten und meiner Mutter offen und mit Verständnis begegnen?
Beide Fragen sind wertvoll in so manchen Lebenssituationen: Vor einer wichtigen Geschäftssitzung, vor einem öffentlichen Auftritt, in der Partnerschaft und Familie oder in der Erziehung unserer Kinder.
Die nächsten drei Fragen ähneln sich. Es sind drei verschiedene Perspektiven, um sein eigenes Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren.
3. Kann ich mich selbst lieben?
Die dritte Frage lautet: „Liebe ich mich?“ „Kann ich mich selbst lieben?“
Kann ich die Liebe im Herzen spüren oder verurteile ich mich? Gehe ich liebenswert mit mir um oder quäle ich mich mit meinem Verhalten, um den Erwartungen anderer gerecht zu werden? Wie entscheide ich mich, wenn ich mich, meinen Körper und meine Seele wirklich liebe? Womit und mit wem verbringe ich dann die meiste Zeit meines Lebens?
Bei dieser wertvollen Frage habe ich seinerzeit erkannt, dass ich nicht weiterhin im Finanz- und Rechnungswesen arbeiten wollte, sondern mich den Menschen und der Spiritualität zuwenden möchte. Ich erkannte auch, dass ich die mangelnde Selbstliebe im Herzen nicht von außen, durch die Liebe und Anerkennung anderer Menschen, kompensieren kann. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, um sich die Liebe zu schenken, die er braucht, und sein Leben entsprechend zu gestalten.
Es ist ein Irrtum zu glauben, die Liebe, die wir suchen, habe uns ein anderer Mensch zu geben. Wir können Liebe im Äußeren nicht erkennen, wenn wir im Innern an Liebesmangel leiden. Wir erkennen stattdessen nur Bedürftigkeit und verwechseln diese mit der Liebe. Wir können Liebe im Äußeren auch nicht annehmen, wenn wir uns selbst nicht für liebenswert halten; denn dann sind wir bedürftig, suchend und im Mangelbewusstsein. Wir sind dann nur ein Fass ohne Boden oder mit Löchern. Die Liebe von außen ist ein Geschenk, das wir erkennen und annehmen können, wenn wir mit uns und Gott im Reinen und im Frieden sind. In dieser Haltung, die unser Denken, Fühlen und Handeln einschließt, sind wir nicht mehr abhängig von der Anerkennung und Liebe der Mitmenschen, sondern schätzen ihre Herzlichkeit als natürliche Resonanz auf unsere Selbstliebe. Daraus entsteht auch eine gesunde Abgrenzung zur Außenwelt und ihren Bedürfnissen.
Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun. Egoistisches Handeln entsteht aus Bedürftigkeit, aus Mangeldenken, und seine Quelle ist Angst und Unbewusstheit. Daraus entsteht das Verlangen nach Festhalten und Besitztum, von Materie oder Menschen. Wiederum daraus entsteht das Kontrollbedürfnis und der Versuch, Energie und Aufmerksamkeit, in welcher Form auch immer, von außen zu beziehen. Manipulationsverhalten, Machtmissbrauch und Abhängigkeiten sind die Folge.
Liebe ist jedoch immer freilassend, voller Vertrauen, in der Geduld, ohne Bewertung und im Frieden mit dem, was ist. Sie genügt sich selbst und stellt keine Erwartungen. Wir sind zeitlebens auf dem Weg, uns zur All-Liebe hin zu entwickeln, und erfahren dies durch die Selbstliebe, durch die Liebe zu Mitmenschen, zur Natur, zu Tieren, zum Licht, zu den Engeln, zur Schöpfung und zu Gott. In der Vergänglichkeit der Materie, durch die Gesetze der Polarität und Resonanz, erfahren wir diese Bewegung zur Liebe hin dank unserer Dreiheit (Körper, Seele, Geist) in ihrer größten sich zum Eins-Sein hin entfaltenden Kraft.
4. Ist mein Verhalten heilsam?
Die vierte Frage: „Ist mein Verhalten heilsam?“ bezieht sich auf unsere Seele, unseren Körper, unser Umfeld, unsere Mitmenschen, die Natur, die Tiere und die Schöpfung. Sie ist eng mit der vorherigen Frage verbunden und bedeutet, sein Handeln liebevoll und verantwortungsbewusst zu gestalten.
Mir half diese Frage, mir bewusst zu werden, wie ich mit meiner Gesundheit tagtäglich leichtfertig umging und meinen Körper nicht gerade liebevoll behandelte. Ich gönnte ihm nicht genügend Erholung und ernährte mich ungesund. Diese Frage offenbarte mir ebenfalls das tiefe Bedürfnis meiner Seele, meiner Berufung zu folgen, und ich spürte, wie sehr es mir innerlich guttat, mein Leben neu zu gestalten. Ich habe gelernt: Folge ich meinem Herzen, dann folgen wahre Taten, und ich bin auf meinem Lebensweg so heil, wie ich in dem Moment nur sein kann.
5. Was lehne ich in mir ab?
Die fünfte Frage „Was lehne ich in mir ab?“ hört sich auf den ersten Blick sehr unscheinbar an. Doch die Frage offenbart uns unsere Schätze, unsere Stärken, die wir zu oft aus Angst vor unserer wahren Größe oder aus selbstverurteilenden Gedanken ablehnen.
Ich brauchte Jahre, um meine geistige Anbindung anzunehmen und ihr zu vertrauen. Die gleiche Angst und unbewusste Selbstablehnung erkenne ich bei vielen Menschen auf der Suche nach ihren spirituellen Wurzeln. Viele Menschen haben in früheren Inkarnationen Leid, Schmerz und Verrat erlebt, weil sie ihre Spiritualität und geistige Gabe lebten. Viele davon haben noch heute unbewusst Angst, dass ihnen dies erneut widerfahren könnte, und sie lehnen ihre Kraft, ihre Talente und die Hingabe ans Göttliche sowie ihre lichtvolle Bestimmung ab. Andere tragen in ihrer Seele die Erfahrung, dass sie in einer früheren Inkarnation Macht missbraucht oder anderen Menschen Schmerz zugefügt haben, und verurteilen sich unbewusst noch in diesem Leben dafür. Auch Erfahrungen in der Kindheit, wo wir vielleicht nicht so hatten sein dürfen, wie wir wirklich waren, um geliebt zu werden, können zu selbstablehnenden Lebensmustern werden.
Manchmal urteilen oder lästern wir über andere Menschen. Dies geschieht meist unbewusst, um uns selbst zu rechtfertigen, um uns besser zu fühlen und unsere eigene Unsicherheit oder Unzufriedenheit zu kaschieren. Je mehr wir im Reinen mit uns selbst sind, desto mehr sind wir im Frieden mit unseren Mitmenschen. Auch Neid zeigt uns auf, was wir in uns selbst vernachlässigen oder verneinen.
(Quelle: Simone Balmer, Gehe den Weg deines Herzens, Aquamarin Verlag 2015)

