Der Weg geht zum Herzen hin.

Die befreiende Kraft der Vergebung

Vergebung ist Heilung der Vergangenheit.
Vergebung ist eine wesentliche Kraft, um im Leben voranzukommen. Sie bedeutet, an nichts Negativem festzuhalten. Vergebung findet durch höhere Einsicht und Verständnis statt. Sie ist ein Akt der Gnade und Selbsterlösung. Wir vergeben nicht durch ein oberflächliches Ritual oder einen bloßen Gedanken, sondern durch eine Absicht, die von ganzem Herzen kommt.

Wir alle durchschreiten im Leben irgendwann belastende Erfahrungen. Das können Schicksalsschläge wie der Verlust eines geliebten Menschen, ein Unfall oder eine Krankheit sein. Auch eine tiefprägende Kindheit kann ihre Spuren in unserer Seele hinterlassen. Wenn wir durch diese Geschehnisse begonnen haben, an der Liebe zu zweifeln, haben wir auch begonnen zu urteilen. Wir bewerten darin das Verhalten anderer Menschen, vielleicht unsere eigenen Fehltritte oder das Schicksal. So halten wir aber auch am Schmerz und an der Enttäuschung fest. Wir vergessen dabei, dass das Leben in seiner Vielfalt dazu da ist, an inneren Werten zu reifen. Vergebung bedeutet nun, den irritierten Blick auf die Geschehnisse zu korrigieren und Verständnis zu üben. Dieser Gleichmut bedingt ein höheres Bewusstsein. Indem wir den Erfahrungen einen lichtvollen Sinn zuordnen, erhalten sie einen neuen Stellenwert in unserem Dasein. Dadurch gewinnen wir an Weisheit und Mitgefühl.

Egal, welche Erfahrungen wir durchgestanden haben, wir sollten begreifen, dass wir vom Himmel beschützt wurden und sie nun vorbei sind. Alles, was unverziehen bleibt, bremst uns in unserem Vorwärtsschreiten. Das Neue kann nur kommen, wenn wir es mit einem freien Herzen und offenen Händen willkommen heißen können. Was unsere Leichtigkeit und unser gesundes Vertrauen beeinflusst hat, beeinflusst heute unsere Harmonie mit dem Leben. Wir benötigen geheilte Wurzeln für eine gesunde Gegenwart und für eine erfüllende Zukunft.

Wenn wir jemanden in seinem Verhalten nicht verstehen können, dann sollten wir uns fragen: „Möchte ich ihn denn verstehen?“ Auch diese Haltung benötigt unsere Bereitschaft. Sie bedeutet, dass wir uns der eigenen einseitigen Sicht bewusst werden und diese aufgeben wollen.

Wenn wir nicht bereit sind zu vergeben, dann hält unser Ego am Opfer-Täter-Prinzip fest. Es ist sein siegloser Versuch, durch Schuldzuweisung Energie und Vergeltung zu erhaschen. Die Emotionen von Enttäuschung und Wut schaden dabei nur uns selbst. Unsere Gedanken fließen durch die Seele und über den Körper nach außen. Also kriegen wir immer am meisten davon ab. Durch Vergebung besinnen wir uns auf die Liebe und das Wahre. Wir treten aus der Rolle des Leidtragenden heraus und gehen in eine liebevolle Eigenverantwortung hinein. Es geht nie darum, wer Recht hat, sondern welche Haltung uns glücklich und frei leben lässt. Wenn wir trotz dieser Betrachtungsweise jemandem nicht vergeben möchten, so können wir Folgendes bedenken: Menschen sind nicht immer fähig, mit ihren Ängsten umzugehen. Wir dürfen dankbar sein, dass wir selbst kein Leben in Angst ertragen müssen, sondern dass wir die Liebe über alles stellen und einen heilsamen Weg einschlagen können. Wenn wir auch diesen versöhnlichen Gedanken nicht zulassen können, dann sollten wir trotzdem vergeben. Wir sollten es für uns selbst tun, weil wir nicht in Verbitterung leben möchten. Das ist eine liebevolle Form, an sich selbst festzuhalten.

Genauso dürfen auch wir uns selbst großzügig für alle unsere Taten und Unterlassungen vergeben. Kein Mensch ist perfekt. Wir sind weder absolut bewusst noch absolut liebend. Ferner können wir nichts Leidvolles erschaffen, ohne zugleich auch etwas Gutes zu bewirken. Wer nicht daran glaubt, zweifelt an der Vollkommenheit von Gottes Schöpfung. Wir vermögen somit nicht jedes Unheil zu verhindern, doch wir können in allem Sinnhaftigkeit finden und aus allem kann etwas Heilsames entstehen. Sich selbst für Versäumtes zu verurteilen und damit durch Liebesentzug zu bestrafen, macht daher keinen Sinn.

Selbstablehnung führt nie in die Freiheit. Sie macht unser Leben nur komplizierter und belastet Beziehungen. Die Lösung ist immer die Liebe. Ein gesundes Selbstbild unterstützt uns somit im Loslassen urteilender Gedanken und schmerzhafter Gefühle. Unsere Seele ist in ihrem Naturell gut – und deshalb möchten wir Gutes tun. Wir sollten somit gütig zu den Mitmenschen und zu uns selbst sein.

(Quelle: Simone Balmer, Die Magie des Glücks, Aquamarin Verlag 2018)